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CD - Annhelena Schlüter - Bach, Das Wohltemperierte Klavier

CD - Annhelena Schlüter - Bach, Das Wohltemperierte Klavier
  • hänssler classic, Audio- 2 CD, 116 Minuten, 19,90 €, EAN 881488160277

Wir können heute mit „Fug“ und Recht Johann Sebastian Bach als das vermutlich größte musikalische Genie bezeichnen, das die Welt jemals hervorgebracht hat. Seine zeitlosen Kompositionen durchdringen alle musikalischen Genres dieser Welt. Selbst für Rockmusiker wie Sting ist Bach die Quelle seiner Inspirationen: Wie er kürzlich in einem Interview outete, vergeht offenbar kein Tag, an dem er sich nicht vom barocken Musikkünstler erquicken und seiner Seele Flügel wachsen lässt. Vor allem der Jazz wäre ohne das musikalische Wirken Bachs in seiner heutigen Ausdrucksform stark beeinträchtig – beruht nicht Kontrapunkt und Harmonielehre als wichtige Disziplinen im Rahmen der Musikausbildung an Konservatorien und Musikhochschulen auf den Kompositionen Bachs. Und wer hier Meister seines Fachs werden will, kommt an Bach und am „Wohltemperierten Klavier“ nicht vorbei. Und dabei fällt auf, dass Bach hier fast ausnahmslos Intervalle, Terz, Sext, Oktave sowie die verminderte Quinte und Septime verwendet hat.

Der Begriff „wohltemperiert“ bezieht sich möglicherweise auf die 1681 von Andreas Werckmeister erfundene, von ihm so genannte „wohltemperierte Stimmung“. J. S. Bach hat mit seinem Werk die Eignung der wohltemperierten Stimmung zum Komponieren und Spielen in allen Tonarten praktisch demonstriert. Damit trug er wesentlich zu ihrer historischen Durchsetzung bei. Welche der zu seiner Zeit üblichen wohltemperierten Stimmungen Bach tatsächlich nutzte, ist jedoch unbekannt.

Hinter dem „Wohltemperierten Klavier“, das Johann Sebastian Bach charmant untertreibend als "besonderen Zeitvertreib" betitelte, verbirgt sich ein wahres Klavier-Feuerwerk. Bis heute ist man über die kompositorische Dichte und Vielfalt der Dichtungen verblüfft. Die meisterhaften Präludien mit allen erdenklichen Nuancierungen sowie die filigranen Kontrapunkt-Techniken der Fugen gelten nach wie vor als unverzichtbare Hürde auf dem Weg in eine Musikerlaufbahn als Pianist, denn diese Kompositionen gelten bis heute als das tägliche Brot eines jeden "Klavierspielers".

Daher ist es eine besondere Herausforderung für jeden Pianisten, diese Stücke zu interpretieren und darüber hinaus vor allem entsprechend mutig, sein Können in Form einer Tonaufzeichnung unter Beweis zu stellen. Erstens muss man sich dann mit allen Virtuosen messen lassen, die ebenfalls den Weg über diese Kompositionen gemacht haben und zweitens, ist gerade das „Wohltemperierte Klavier“ an Popularität im klassischen Bereich kaum zu übertreffen und daher beinahe inflationär zu hören.

Die heute in Würzburg lebende deutsch-schwedische Pianistin Ann-Helena Schlüter geht an dieses magnum opus sehr gefühlvoll heran, denn Bach verleitet im besonderen Maße dazu, seine Werke perfekt, minutiös und virtuos betont zu interpretieren, wie wir das z.B. von bekannten Klaviergrößen wie dem Österreicher Friedrich Gulda her kennen. Schlüter geht im Gegensatz dazu filigran ans Werk und das macht diese CD zu einem besonderen Hörgenuss, weil die Stücke leichtfüßig und flockig daherkommen. Dieses Rezept lässt die Reise durch die 12 Tonleitern zu einem entspannten Hörvergnügen werden, weil die sonst anspruchsvollere Musik plötzlich weniger anstrengend, ja sogar zeitweise einfach wirkt. Man wird fast schon genötigt, diese Stücke als tägliches Seelenfutter zu konsumieren. Die bevorstehende Winterzeit mit den vielen religiös geprägten Feiertagen lädt geradezu dazu ein, auch Bach als Tagesmenü aufzutischen. Diese CD ist gerade für unerfahrene Novizen ein toller Einstieg in die Welt großer Musik und dürfte auch Übende dazu inspirieren, Bach nicht nur als mechanische Fingerübung zu betrachten.

Es ist wohl die Ironie des Schicksals, dass die kompositorische Gewalt Johann Sebastian Bachs zu Lebzeiten und selbst noch viele Jahrzehnte, teils sogar Jahrhunderte darüber hinaus wenig gewürdigt wurde. Während seine Zeitgenossen Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel als Popstars hofiert wurden, lebte Bach sehr bescheiden – zuletzt als Thomaskantor in Leipzig. Seine Bemühungen, Händel persönlich kennen zu lernen, scheiterten zuweilen an der Arroganz und Voreingenommenheit der damaligen Berühmtheiten. Bach war seiner Zeit einfach Jahrhunderte voraus, was wohl die mangelnde Popularität zu seinen Lebzeiten erklären dürfte. Er selbst blieb stets bescheiden, vorurteilsfrei offen für den Austausch mit anderen Musikern und ein ehrfürchtiger Diener und Werkzeug Gottes, wie er über sich selbst zu pflegen sagte. Mit seinem „Wohltemperierten Klavier“, das er jeder Tonart mit einem Präludium und einer Fuge weihte, also insgesamt 24 Stücke, finden wir einen Einstieg in sein musikalisches Wirken, das an Perfektion und Harmonieverständnis seines Gleichen sucht. Bach ist Kult! Bach ist Einblick in göttliche Schönheit.

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